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Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 19. Nov 2011, 11:18 
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Registriert: So 18. Okt 2009, 10:00
Beiträge: 2422
Zitat der Märkische Allgemeine (online)
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... tafel.html
Zitat:
GESCHICHTE: Recht liebloser Umgang mit Toten
Von reichhaltiger Wittenberger Friedhofslandschaft blieb wenig übrig / Erinnerungstafel angeregt
WITTENBERGE - Einmal ist wohl ein Fahrradständer auf dem Schulhof in die Grube gefahren. Die eiserne Konstruktion versank in einem früheren Grab, von denen es unter der Oberfläche des Schulhofs nur so wimmelt. Das ist nicht weiter verwunderlich wenn man bedenkt, dass sich die Förderschule und die Oberschule in Wittenberge an den Rändern des einstigen „Gottesackers“ befinden. Das war eine Begräbnisstätte, die wohl um 1800 entstanden ist und den kirchlichen Friedhof ersetzte, der sich am Vorgängerbau der heutigen evangelischen Stadtkirche befunden haben muss.

Das Thema der Wittenberger Friedhöfe haben die Mitglieder des Vereins Prignitz-Herold aufgegriffen. Vor allem dessen geschäftsführendes Vorstandsmitglied Ingo Bodin hat in den Archiven recherchiert und kommt zu dem Schluss: „Mit ihren Friedhöfen sind die Verantwortlichen der Stadt Wittenberge nicht sehr liebevoll, ja nicht einmal respektvoll umgegangen.“

In den vergangenen mehr als 200 Jahren wurde jeder Friedhof in Hoheit der Stadt nur etwa 50 Jahre lang betrieben. Der Friedhof beispielsweise, der sich zwischen der heutigen verlängerten Bahnstraße, der Müllerstraße und Scheunenstraße befand, wurde rund 50 Jahre nach seiner Eröffnung in die damalige Perleberger Vorstadt verlegt. Das heißt, nur die nach diesem Zeitpunkt Verstorbenen wurden zwischen Perleberger Straße und Sandfurttrift zur Ruhe gebettet, die Gebeine der zuvor Verstorbenen blieben im „Gottesacker“. Seit dem Jahr 1865, in dem die Aufzeichnungen mit dem Gräberfeld A II beginnen, „existieren sehr aussagekräftige Belegungslisten in Buchform“, stellt Ingo Bodin fest. Wer auf dem Gräberfeld A I bestattet wurde und wo sich dieses befand, ist heute nicht nachzuvollziehen. Wohl aber, was mit dem „Gottesacker“ geschah. Auf dessen Fläche wurden die Scheunen- und die heutige Oberschule errichtet, über die Anordnung und Belegung der damaligen Gräber ist nichts mehr bekannt.

In der Nähe des Friedhofs in der Perleberger Vorstadt befand sich die Scharfrichterei der Stadt Wittenberge. Erst seit 1878 gibt es Aufzeichnungen über dortige Erbbegräbnisse. Sie enden mit dem Jahr 1907, und ab 1908, mit der Schließung des alten Friedhofs, wurden die Wittenberger Toten auf dem heutigen Friedhof an der Parkstraße bestattet. Noch bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs hinein gab es Nachbestattungen auf dem alten Friedhof, etwa, wenn Familiengrabstellen gepachtet worden waren.

„Bilder der Trauerhalle auf dem alten Friedhof sind bisher nicht bekannt, und auch erst nach der Schließung des Friedhofs 1908 wurde das große Eingangsportal in der Sandfurttrift geschaffen“, schreibt Ingo Bodin. Auf diesem Gelände befand sich auch der jüdische Friedhof an der in Richtung Krausestraße gelegenen Wand. In der Pogromnacht 1938 wurden die Grabsteine der dort bestatteten Juden umgeworfen und blieben so liegen. Eine Korrespondenz zwischen der Jüdischen Landesgemeinde Mecklenburg und dem Rat der Stadt Wittenberge von 1962 belegt, dass die Gemeinde das Aufstellen eines Gedenksteins in Auftrag gegeben und bezahlt hat. Möglicherweise hat das den Ausschlag gegeben, dass von den jüdischen Gräbern zumindest einige Grabsteine erhalten sind. Alle anderen Grabsteine, Erbbegräbnisse, Skulpturen und dergleichen mehr wurden in den 60er Jahren „umfassend zerstört“, wie Ingo Bodin konstatiert. Unter anderem, weil die Fernwärmeversorgung für das Krankenhaus Krausestraße über das Friedhofsgelände verlegt wurde. Auch bei der Umgestaltung zum noch heute so genannten Clara-Zetkin-Park bewiesen die Wittenberger wenig Pietät. Mit den Bruchstücken der zerschlagenen Grabmale wurden die Gruben der inzwischen eingefallenen Gräber verfüllt.

„Bei der notwendig gewordenen Schrumpfung des 1908 angelegten Friedhofs sollte man aus den gemachten Fehlern des 20. Jahrhunderts lernen“, schreibt Ingo Bodin. (Von Andreas König)
vgl.


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